Zusatz: Dieser Artikel dreht sich nicht um Bilder, die man zusammenklebt, sondern um Zeug gegen Falten. International schreibt man das Protein Collagen leider so wie das deutsche Wort für zusammengeklebte Bilder. Ich hätte natürlich gleich alles mit „K“ schreiben können, aber habs nun mal nicht und will es nun nicht heimlich korrigieren.
In einer Redaktion rumzudümpeln und auf Gedeih und Verderb den Launen der Medienmanagern ausgeliefert zu sein muss ein wahrlich frustrierendes Erlebnis sein. Anders kann ich mir so manchen Beitrag nicht erklären, der in den Medien so zusammenhanglos vor sich hin flimmert.
Gestern zum Beispiel blieb ich beim Zappen an der bunten Welt von Pro7 hängen. Taff lief und versuchte mich davon zu überzeugen, dass die Welt eben genauso bunt ist, wie es Pro7 sagt.
Unter anderem durfte ich einen kurzen Beitrag sehen, der sehr anschaulich darlegte, wie langweilig das Leben sein muss und wie frustrierend noch dazu.
Anders kann ich mir den kreativen Ausbruch dieses kurzen aber umso sinnloseren Beitrags nicht erklären, der als Satire bei Extra3 oder Switch durchaus großartig gewesen wäre, bei TAFF außerhalb des 1.Aprils jedoch irgendwie deplatziert wirkte.
In dem allgemein sinnlos um die Welt ziehenden Schönheitswahn hat sich irgendwer gedacht, dass man doch den Leichtgläubigen die Kohle aus der Tasche ziehen könne, wenn man Collagen einfach in Kaffee schüttet.
Man entfaltet die Wirkung quasi von innen und entfaltet sich dabei von außen.
Nun hat diese Meldung an sich nicht so furchtbar viel Inhalt. Nehmen wir jetzt mal an, dass der Redakteur irgendeine Wette verloren hat oder einfach den Auftrag bekam über dieses neue Gesöff zu berichten und genauso wenig Sinn in der Berichterstattung sah, oder sowieso gekündigt hatte.
Der Beitrag nach den bloßen Fakten, die innerhalb von gefühlten 2,5 Mikrosekunden abgehandelt wurden, wurde gekrönt von einer Straßenumfrage.
Würden Sie Kaffee mit Collagen trinken?
Gezeigt wurden nun ein paar Personen, die auf die Frage antworteten. Allesamt sagten: Nö!
Das Fazit war dann auch vernichtend. Man war der Meinung, dass man solches Zeug nicht brauchen würde.
Knallhart recherchiert und mit der Meinung des Volks unterstrichen. Besser kann man seine Arbeit nicht machen auf den ersten Blick.
Und auch wenn ich das Fazit der Unsinnigkeit nur unterstreichen kann, so mag ich meinen Journalismus (ja… es ist eine unwichtige Tatsache und eigentlich seriös gesehen gar keiner Meldung wert) doch etwas differenzierter.
So hätte ich es zum Beispiel gut gefunden, wenn nicht gut die Hälfte der Befragten (bzw. der gesendeten Befragten) sowieso gar keinen Kaffee trinken würden. Aber warum sich an Kleinigkeiten aufhängen, wenn der Befrager offenbar direkt vor der nächstbesten Uni rumlungerte um Leute zu Interviewen.
Von den ausgestrahlten Befragten war nämlich keiner auch nur älter als großzügig bemessen 22 Jahre. Da hat man den Leuten die Belustigung förmlich angesehen zu einem Thema befragt zu werden, an dem sie selbst nur unmerklich dran beteiligt sind.
Was scheren mich die Falten, die ich in 20 Jahren mal haben werde?
Und so antwortet einer der Kiddies auch sehr wahrheitsgetreu: Warum sollte ich mir sowas rein schütten. Bis mich Faltenbildung betrifft in so ca. 30 Jahren gibt das längst was anderes, was auch wirkt.
Doch wie die pseudojournalistische Grundstimmung der Sendung mir direkt danach vermittelt, wurde dieser Beitrag wirklich ernst gemeint und niemand hat im Studio Tränen in den Augen. Niemand sagt April, April oder entschuldigt sich für die nun wirklich nicht ernstzunehmende Entgleisung.
Und gerade als ich mich frage, ob der journalistische Tiefgang der RTL2 News ausgeprägter sein könnte, schaffe ich es irgendwie doch noch weiterzuzappen und dieses Ereignis niederzuschreiben.
tough (engl.) – zäh, hart, robust, widerstandsfähig
taff (pseudoenglische Anlehnung) – grenzdebil, hart an der Grenze des Erträglichen, zäh dargebracht