Am Ergebnis scheiden sich die Geister

Europa hat gewählt. Doch geht es nicht um eine neue Regierung oder um die Weiterentwicklung der EU. Es ging um den allseits beliebten Eurovision Songcontest oder Grand Prix wie ihn die klassischen Fans nennen würden.

Das Ergebnis lässt jedenfalls wieder viel Spielraum für persönliches Wettern und Unzufriedenheit und Unverständnis. Ich hatte viel Spaß daran die Presse am heutigen Tag zu verfolgen.

Allen voran habe ich mich natürlich auf die objektive Berichterstattung der Bild gefreut. Enttäuscht wurde ich nicht.
„Grand Prix Wut auf Stimmenmafia aus dem Osten“

Ah da ist sie wieder. Die eingehende Art der Bild Meinungen ohne Hand vorm Mund zu bilden und Volkszorn zu schüren. Ungeachtet jeglicher Fakten einfach mal zu wettern, was das Zeug hält. Nicht zu versuchen Abstand zu gewinnen, sondern einfach mal die dumpfe Überschriften Keule schwingend in den Krieg zu ziehen, so wie es in den Redaktionen der Bild zum guten Ton gehört und die Leserschaft es am Besten versteht. Von der Tastatur direkt in den Schlagarm.

Ich gestehe. Noch gestern Abend beim Voting hätte ich die Keule mitgeschwungen und mich darüber aufgeregt wie ungerecht die Welt doch ist und wie gemein die Osteuropäische Stimmenmafia doch ist. Eigentlich habe ich das ehrlich gesagt sogar gemacht, weil Emotionen zu einem gemeinsamen TV Abend mit Freunden auch dazu gehören.

Visionär hätte ich Roger Cicero genannt, der sich ja traut in seinem Lied die Mafia anzusprechen, was in diesem Zusammenhang noch viel mehr Biss zeigt.

Doch dann habe ich nachgedacht und vor allem eine sehr schöne Analyse im Online Portal des Spiegels gesehen. Diese haben am frühen morgen auch noch gewettert gegen die Ungerechtigkeit die uns Deutschen widerfahren ist und ruderten jetzt aktuell im Ton zurück. Zu speziell nannten sie den Swing den wir an den Start brachten und ich denke dass dies durchaus richtig ist. Nur weil diese Art der Musik in Deutschland ankommt muss sie nicht im Rest von Europa ebenso begeistert empfangen werden. Unterstreichend kann dazu bemerkt werden, dass unsere europäischen Nachbarn uns auch nicht mit einem wahren Punktesegen bedachten, sondern auch eher verhalten applaudierten bei dem Beitrag, den ich natürlich nach wie vor für großartig halte.

Doch sind wir halt auch nur Deutschland mit der Betonung auf Land. Eins unter Vielen und man kann andererseits nicht NUR aufgrund von Stimmengeschiebe gewinnen. Natürlich halte ich eine Änderung des Reglements auf jeden Fall für sinnvoll um wieder mehr den künstlerischen Aspekt zu fördern und dem Stimmengeschacher einen Riegel vorzuschieben. Doch allein damit gewinnen kann man nun mal nicht. Auch die Serben konnten nicht nur aufgrund der Stimmen gewinnen, die sie erhielten aus ihren Nachbarländern. Sie brauchten auch Westeuropa um den Gipfel zu erklimmen. Und sie bekamen die Stimmen aus dem Westen. Auch wenn mir das Lied nicht zusagt, so hat es seine Gesamt europäische Rechtfertigung erhalten.

Es sind die Beiträge die anders sind, wie Lordi bewies, oder die Beiträge, die herausragend sind, wie die Dänen 2000 bewiesen, die Europa vereinen und somit wieder den Sinn erfüllen, den der Contest eigentlich hat.
Unser Grummeln ist dennoch zu Recht. Wir wollen ja schließlich unseren Beitrag an der Spitze sehen, aber die Verantwortung für unser Abschneiden liegt nicht nur bei der Stimmenmafia, sondern auch in unserem eigenen Beitrag. Etwas erfrischend Neues muss her um uns auch wieder an die Spitze zu schießen und da hilft kein Heulen und schon gar keine Gracia, wobei das in meinen Augen auf das Selbe hinaus läuft, um uns wieder an die Spitze zu katapultieren. Wir müssen Europa gefallen um zu gewinnen. Und die Lösung dieser Gleichung gelingt uns nicht.

Klar auch, dass man erstens seinem Nachbarn in der Regel gute Punkte zuschustert und ihn unterstützt. Lokalpatriotismus und ein ähnlicher Musikgeschmack sind da die beiden wichtigen Faktoren, wobei wir momentan nur den ersten Faktor sehen wollen, den letzten jedoch verdrängen.

Und hier ist wieder die Frage. Ist es die Schuld der Stimmenmafia, dass unsere Nachbarländer uns nicht in den Olymp hoben, oder lag es an unserem speziellen Beitrag?

Ich denke vieles passierte gestern Abend. Viele verschiedene Mechanismen griffen und einige davon sind für mich wenig sinnvoll um die beste Musik in Europa zu finden. Nicht alles jedoch ist von Grund auf schlecht und nicht alles muss geändert werden um dem Contest die Emotionen zu geben die er verdient.

Doch freue ich mich tatsächlich wieder auf nächstes Jahr, wenn es dann hoffentlich ganz oft heißt

Germany 12 Points

PS: Der heimliche Sieger ist wie in jedem Jahr natürlich wieder Peter Urban ohne den die Grand Prix Welt ein gutes Stück trockener werden würde. Ich ziehe meinen Hut.

2 Antworten zu “Am Ergebnis scheiden sich die Geister”

  1. thewritingfranz Sagt:

    Guter, ausgewogener Artikel. Gratuliere! Österreich gewinnt zuerst die Europameisterschaft in Fußball und nächstes Jahr den Grand Prix. Hugh!

  2. Schonzeit Sagt:

    ah Vielen dank. Auch wenn sich ja meine Hoffnung des letzten Jahres dieses Jahr nicht so wirklich erfüllt hat.


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