Es gibt Menschen, die sollten von Hammer, Säge und Co einfach die Finger lassen. Die Welt wäre dankbar dafür.
Eine dieser Personen bin anscheinend ich, auch wenn ich mit großem Enthusiasmus an die Arbeit gehe und mir grad einen eigenen Stock an Werkzeugen zulege, so ist es doch empfehlenswert im Umkreis von 50 Metern um mich herum schon mal über Einzel- oder Mehrbettzimmer im Krankenhaus nachzudenken.
Es hätte alles so schön und vor allem so schön einfach sein können. Ich wollte meine Freundin überraschen und ein wenig „Pimp my Wohnung“ betreiben. Dazu gab es dann auch gleich die coolsten Ansätze. Zum einen wollte ich sinnlos rumstehende Regale endlich verplanen und diese dann auch noch schön in Szene setzen, dann wollte ich uns einen Duschvorhang installieren inklusive Löcher in die Decke bohren und ein neuer Wandschrank im Badezimmer sollte auch noch her.
Alles in allem hatte ich einen groben Zeitansatz von „Ach das mach ich mal eben schnell“
Ich denke das ist bei ahnungslosen Haushaltsaufmotzern auch Gang und gäbe oder zumindest hoffe ich das inständig, damit ich nicht allein dastehe mit meiner Planlosigkeit.
Zuallererst die Sachen beschaffen. Schienen für den Duschvorhang inklusive der dazugehörigen Verschraubung und und und, dann zu Ikea und den Wandschrank und ein Rollo kaufen (der Effektvorhang für die Regale).
Dabei musste ich bereits feststellen, dass der Zuladung eines allgemein üblichen Fahrrads irgendwo physikalische Grenzen gesetzt sind, weswegen auch eine der Stangen für die Deckenhalterung nicht ganz heil zu Hause ankam. Man könnte auch sagen, dass sie kaputt war.
Aber von so einem kleinen Drama lässt sich der wahre Heimwerkerkönig nicht abbringen, wohl aber davon, dass Regale anhalten und anzeichnen allein schon eine doofe Sache ist, vor allem wenn die Regale sauschwer sind. Na ja. Irgendwann habe ich die drei Halterungen für die Regalböden dann angezeichnet und angebohrt. Der Triumph war nur von kurzer Dauer, da ich feststellen durfte, dass von den grandiosen Löchern 2/3 falsch waren und so die Regale nicht passten.
Dem Nervenzusammenbruch nahe stellte ich fest, dass meine Zeit fast aufgebraucht war, die ich für Installation sämtlicher Dinge UND sauber machen verwenden wollte. Friedlich vor mich hinschluchzend nahm ich es wie ein Mann und machte weiter. Ich korrigierte die Regalböden und setzte den Effekt davor mit dem man nun die Regale hinter einem Bambusrollo verschwinden lassen kann. Ja klar. Das Rollo habe ich leicht schief an die Decke gebohrt, aber ich war ja schließlich auch schon soweit, dass mir das klar war, bevor ich irgendwas anfasste.
Voller Staub und abgekämpft und mit der Wohnung als Schlachtfeld traf dann die Frau des Hauses ein. Zumindest ist mir etwas geglückt. Sie war überrascht.
Ich weiß nicht ob mehr von dem Umstand, dass die Wohnung ungefähr wie “Ground Zero” aussah, oder aber, dass ich noch lebte.
Für diesen Tag hatte ich auch genug unheil angerichtet und so vertagte ich den Rest auf den Nächsten.
Nachdem ich mich nachts bereits in den Schlaf geweint hatte und Alpträume von mich verfolgenden Wasserwaagen und Folter mit Bohrmaschinen hatte konnte die Arbeit ja beginnen. Mit gehöriger Verspannung ging ich an die Umsetzung dessen, was mal Badezimmerupgrade werden sollte.
Noch nie in meinem Leben hatte ich Überkopf gebohrt, aber ich dachte mir auch da nichts Böses dabei, denn ich hatte ja in letzter Zeit Erfahrungen gesammelt und meine neue Bohrmaschine vermittelte eine gewisse Souveränität.
Wenige Sekunden nach dem ersten Ansatz stellte ich fest, dass ich mich von einem Stück Elektronik habe hinters Licht führen lassen. Schweißtreibende Minuten standen mir bevor bis ich die Löcher gebohrt hatte. Eins davon sah ungefähr so aus wie der Mt. St. Helens nach seinem Ausbruch und wurde von mir fachmännisch wieder komplett verworfen. Ich habe dann beschlossen, dass ein Duschvorhang auch mit einem Loch weniger halten müsse und das tut er bisher auch um mal das Happy End vorweg zu nehmen.
Nach schier endlosem bohren und rumschrauben und diverser verschiedener Dübel, die in meiner Decke verschwanden ist das Projekt halbwegs erfolgreich beendet worden. Wenn ich sage es steckt Herzblut in dem was ich werkelte, dann meine ich das nicht im übertragenen Sinne.
Schlussendlich wollte noch der Wandschrank montiert sein. Kein Problem. In Wände kann ich bohren. Na klar war die Wand an der Stelle dann auch sehr kooperativ und sogar so kooperativ, dass sie sich wie Butter anfühlte…
Auch doof. Die Dübel halten nicht und vor mich hinfluchend teste ich verschiedene Kombinationen um dem Schrank die nötige Stabilität zu geben.
Lange Rede kurzer Sinn. Was als Nebenbei Projekt begann raubte mehr als einen kompletten Arbeitstag auf zwei tage verteilt. Das Putzen übernahm netterweise Sonja dann. Wahrscheinlich damit weiterer Schaden von der Wohnung abzuhalten.
Nachdem alles sauber und ordentlich war stellten wir beide fest, dass eigentlich doch alles nicht so schlimm war. Ein paar Schrammen und ein verspannter Rücken und diverse neue graue Haare sind nix gegen Regale, Schränke und einen Duschvorhang.
Mal sehen was ich jetzt basteln kann.