„Was ihr wollt“ im Kieler Schauspielhaus


“Wenn Musik die Nahrung der Liebe ist, so spielt fort; gebt mir im Übermaß davon, damit das Verlangen am Überfluss erkranke und so sterbe.”

Was ihr wollt – 1. Akt, 1. Szene / Orsino
(William Shakespeare)

Ich liebe Shakespeare und so kann es in die Theatersaison 2007 für mich auch keinen schöneren Einstieg geben als mit einer Inszenierung eines seiner Stücke. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich bisher einen großen Bogen um alles von ihm machte, was in den komischen Bereich geht. Ich kann (oder vielmehr konnte) mir einfach nicht vorstellen dass ein Mann dessen geschickte Hände solch unschätzbar wertvolle Dramen verfassten auch ein Gespür für die natürliche Komik des Lebens hat.

Anfänglich hatte ich zugegeben mit dem Aufbau des Stückes einige Probleme, doch so geht es mir zumindest in den ersten 5 Minuten im Theater meistens, bis man die Wellenlänge des Regisseurs und der Darsteller gefunden hat, so das denn möglich ist.

Das Bühnenbild ist interessant gestaltet. Mit einem allumfassenden Bilderrahmen und vielen Vorhängen, die der Fantasie freien Lauf lassen um sich die einzelnen Szenerien selbst auszumalen. Und so ist die Handlung mal im Rahmen, mal davor, und mal benutzt man ihn als Sitz oder sonstiges. Ein Spiel mit dem, was da sein sollte, aber nicht ist.

Das Ensemble des Kieler Schauspielhauses kann in diesem Stück sehr überzeugen in meinen Augen, auch wenn die Kritiker der Presse wohl eher geteilter Meinung sind.

In schwerem Sturm versinkt ein Schiff. Ein Zwillingspaar kann sich retten: Viola, die ihren Bruder Sebastian für tot hält, ist kaum gestrandet, schon tritt sie – als Mann Cesario verkleidet – in die Dienste des Herzogs Orsino. Der Herzog, der schon lange vergeblich die schöne Gräfin Olivia umwirbt, schickt Viola als Liebesboten zu ihr. Doch Olivia will noch immer nichts von Orsino hören, verliebt sich dafür jedoch auf der Stelle in den schönen Boten. Cesario muss Olivia natürlich zurückweisen – schließlich ist er nicht das, wofür man ihn hält und hat sich außerdem selbst unsterblich in Orsino verliebt.

Zu diesem Hauptstrang kommen noch viele kleine Irrungen und Wirrungen der exzentrischen Mitbewohner des Landes Illyrien, die auf liebevolle Art und Weise dazu beitragen die Haupthandlung mit dem Erscheinen des Todgeglaubten Zwillingsbruders auf die Spitze zu treiben.

Ich kann einen Besuch im Kieler Schauspielhaus sowieso jederzeit empfehlen und Shakespeare in dieser Form lohnt sich allemal. Denn sowohl Neuzugänge als auch alte Hasen überzeugen auf klarer Linie durch ihre Interaktion.

Mein heimlicher Favorit ist nach genauerer Betrachtung der Narr der Gräfin Olivia, der von Zacharias Preen gespielt wird. Ein Mann der nicht nur allen anderen, sondern auch sich selbst stets den Spiegel vorhält.

Ein Stück, bei dem ich glatt noch ein zweites Mal schwach werden würde.

Falls jemand zufällig partout Interesse verspürt:

HIER sind die Termine an denen das Stück nochmals aufgeführt wird.

2 Antworten zu “„Was ihr wollt“ im Kieler Schauspielhaus”

  1. daniela Sagt:

    Ich gestehe – gerade die Person Zacharias Preen war es, die mich ein wenig hat zurückschrecken lassen vor einem Abo dieses Jahr. Aber wenn Du sagst dass er seine Sache gut macht … ausserdem ist David Allers als Sebastian dabei, da sollte ja schon alles gerettet sein :-)

  2. DaShan Sagt:

    Ich finde wirklich, dass der Preen die Sache sehr charismatisch ausfüllt wogegen ich den Darsteller des Sebastian teilweise in seinem Spiel etwas zu offensiv fand, aber das ist ja auch persönliche Einstellung und vor allem von einem Menschen der sich grad erst wieder an Theater gewöhnt. :)


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