Der Gott des Gemetzels
Verfasst von Schonzeit am Mittwoch, 28.November 2007
In der aktuellen Spielzeit des Kieler Schauspielhauses wird das Stück der französischen Schriftstellerin Yasmina Reza gespielt.
Dies Stück wurde erst am 2. Dezember 2006 uraufgeführt und wirkt auch recht frisch. Agnes Richter, Zacharias Preen, Eva Krautwig und Marko Gebbert bilden die Besetzung in der Kieler Version dieses Stücks und stellen die vier Eheleute der Handlung sinnvoll und intensiv dar.
Das 4 Mann Stück ist eine Mischung aus Komödie, Groteske und Drama, denn die Beobachtungen der Abgründe sind zuweilen sehr amüsant und auf der anderen Seite wieder intensiv und manchmal auch abstoßend.
Die Handlung:
Véronique und Michel Houillé sind die Eltern des 11jährigen Bruno, der bei einem Streit mit dem gleichaltrigen Ferdinand Reille durch einen Schlag mit einem Stock 2 Schneidezähne eingebüßt hat. Die Eltern von Ferdinand Annette und Alain Reille erscheinen auf Einladung von Véronique und Michel bei denen zu Hause um Sanktionen zu beschließen und eine Aussöhnung der beiden Kinder herbeizuführen. Dabei haben beide Paare eine durchaus verschiedene Ansicht zu dem Thema obwohl es zu Anfang einen versöhnlichen Grundkonsens gibt.
Unterbrochen wird das Gespräch der vier immer wieder durch Handygespräche des Anwalts Alain, der einen Pharmakonzern vertritt dessen Medikament ungeahnte Nebenwirkungen an den Tag legt. Annette ist genervt von ihrem Mann aufgrund dieser Telefonate und findet in Véronique eine Eidgenossin in diesem Zusammenhang. Doch während man noch bei einem Clafoutis zusammensitzt kippt die Stimmung. Denn wirklich jeder hat etwas an allen anderen auszusetzen.
Ein Reigen beginnt in dem sich die Paarungen immer wieder unterschiedlich zur Seite stehen um einen anderen Anwesenden anzugreifen. Spätestens als der Eisenwarenhändler Michel Rum serviert und der Alkohol die Zungen der Anwesenden lockert eskaliert die Situation. Es wird sich offen angeschrien und versucht sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen.
Statt die beiden Söhne wieder zu einen zerstreitet man sich immer mehr obwohl man zu Begin des Stücks noch die Vorzüge der Zivilisation und des eigenen Verhaltens lobpreist. Nachdem die Masken gefallen sind bleibt nichts wie es war.
„Der Gott des Gemetzels“ trägt seinen Titel aufgrund einer Aussage von Alain, der der Meinung ist, dass der einzige Gott der für die Menschheit wirklich existiert der Gott des Gemetzels ist. Letztlich muss am Ende des Stücks auch der Zuschauer zu dem Schluss kommen, dass Alain wahrscheinlich von Anfang an zumindest für diese Situation Recht hat.
Sehr laut und sehr intensiv kommt die Handlung daher. Die Charaktere haben alle liebevolle Eigenschaften, doch überwiegen auch in der Außenwirkung von Anfang an unsympathische Aspekte.
Ein sehr schöner Theater Genuss, empfehlenswert für Menschen, die nicht nur leichte und seichte Unterhaltung lieben und bei der Bewältigung bzw. dem Ausleben von Konflikten Zeuge sein wollen.