Kakophonie ungefragter Storys
Verfasst von Schonzeit am Donnerstag, 24.Januar 2008
Das Leben ist interessant, wenn man einfach in Kontakt mit Fremden Menschen steht. Der Barkeeper ist dazu da um meinen Seelenmüll abgeladen zu bekommen zumindest wenn man sich an das Klischee hält und mein Frisör ist wirklich sehr bemüht auch selbst das Klischee zu erfüllen. Er kaut mir auch regelmäßig ein Ohr ab, weigert sich aber andererseits sehr deutlich auf Männer zu stehen, aber das sei ihm verziehen. Man muss ja nicht jedes Klischee erfüllen.
Doch ist es irgendwie merkwürdig immer wieder Einblicke in andere Leben zu bekommen und das ungefragt. Man könnte jetzt behaupten, dass das Unterhalten eines Blogs irgendwie dasselbe ist, doch hier müsst ihr zumindest pro aktiv entscheiden ob ihr die Informationen aus meinem Gehirn wirklich in euch aufnehmen wollt oder nicht.
In den letzten 7 Tagen wurde mir mitgeteilt, dass mein Taxifahrer sauer auf seine Frau ist die in Aktienfonds investiert hat. Eigentlich war er auch nicht sauer auf die Frau, sondern auf die Bank, die was dagegen hätte tun müssen, dass die Kurse des Fonds fallen oder aber im Laufe seines Ausfalls noch weiter geht und dem gesamten System die Schuld gibt.
Klar ist der Kapitalismus eine blöde Sache. Würde ich kein Geld brauchen, dann wäre ich auch glücklicher, aber so einfach allen anderen Leuten die Schuld zu geben und selbst die einzig unschuldig gebeutelte Seele zu sein ist etwas einfach. Und das sagt der König des Selbstmitleids.
Andererseits gibt es da noch die Reinigungskräfte auf der Color Line, die einem bei starkem Seegang erzählen, dass man diesen Teil des Jobs noch am wenigsten mögen würde, weil man andauernd die Reste wieder weg machen dürfe, die andere hinterließen, wenn sie zu überschwänglich „ULF“ grüßen würden. Sehr toll vor allem, weil ich mir zu dem Zeitpunkt auch grad überlegte ob ich mir mein Essen noch mal ganz genau durch den Kopf gehen lassen sollte.
Oder aber der heldenhafte Würstchenverkäufer, der einen großen Deal aufgetan hatte und nach seiner Schicht gestern Abend heute unbedingt nach *PIEP* (ich hab einfach nicht zugehört) fahren müsse, weil er da unbedingt noch einige Dartautomaten und Billardtische besichtigen müsse, die er dann billig kaufen und hier wieder teuer verkaufen wolle.
Klar kann ich verstehen, dass die Leute auch nicht den ganzen Tag schweigen wollen oder aber über das Wetter reden möchten, aber warum fängt man denn ungefragt immer an sein Leben auszuschütten und das schon nach 30 Sekunden Kennenlernphase?