Verbrennungen – Schauspielhaus Kiel

Das aktuelle Stück im Donnerstags Abo des Schauspielhaus heißt Verbrennungen und stammt von dem libanesisch, kanadischen Autor Wajdi Mouawad.

Es geht um die beiden Kinder Jeanne und Simon, die nach dem Tod ihrer Mutter durch das Testament mit der Suche nach verschollenem Vater und Bruder betraut werden. Die beiden Kinder sind sehr überrascht über diese Nachricht einer toten Frau, die sie kaum kannten. Die letzten fünf Jahre ihres Lebens hatte die Mutter komplett schweigend verbracht und war den beiden Kindern daher fremd. Simon weigert sich zuerst und verschließt sich, während Jeanne auf Entdeckung in dem Leben ihrer Mutter geht.

Die Suche nach Bruder und Vater führt die beiden in ein Land, dass Ende der 70er Jahre die Heimat der Mutter und zugleich Austragungsort eines blutigen Bürgerkriegs gewesen ist. Schon bald finden sich in diesem Land erste Details über die verschollenen Familienmitglieder, obwohl die beiden Protagonisten zuerst die Existenz beider angezweifelt hatten. Den Vater hatte man nach Erzählungen der Mutter als im Krieg gefallen angesehen.

Nach und nach müssen Jeanne und Simon mit ansehen, wie das Bild, das sie von ihrer Mutter hatten, ein komplett falsches gewesen und der Krieg, der mittlerweile beendet ist, auch ein Teil ihrer eigenen Geschichte ist. Und immer näher rücken sie mit ihren Nachforschungen an die Erkenntnis, warum ihre Mutter schwieg und was für ein grausames Geheimnis noch vor den beiden liegt.

Das Stück ist in der Kieler Inszenierung gespickt mit sehr vielen visuellen Effekten. Die Bühne brennt, es regnet, sie explodiert und es wird immer wieder geschossen. In den Rückblenden sind wir live im Krieg dabei und erleben die Geschichte der damals noch jungen Nawal, die ein Kind zur Welt bringt, das ihr entrissen wird. Später erleben wir sehr viel Blut, Gewalt, Folter und Tod und wieder sind wir von Beginn an dabei. Erst zum Schluss entwirren sich langsam die Fäden um das schwere Kriegsschicksal der jungen Mutter und ihrer Kinder.

Die Inszenierung geht sehr an die Nerven, da sie so imposant ist. Doch wenn man an diesen Dingen vorbeisieht, dann bleibt leider nur ein mittelmäßiges Stück in einer diesmal nicht wirklich überzeugenden Umsetzung. Zu viele Fragen bleiben am Ende unbeantwortet. Zu viel hat einem das Geheimnis der beiden Kinder abverlangt um dann doch irgendwie seicht zu enden. Zu viel Potential hat der Autor schon beim Schreiben verschenkt und versucht dies durch Wortgewalten wett zu machen. Eine echte Konfrontation hingegen gibt es nicht. Nur der namenlose Krieg in dem namenlosen Land wird sehr schmutzig und doch irgendwie steril dargestellt.

Auch in der schauspielerischen Leistung gibt es bei Verbrennungen einige schlecht gelungene Aspekte. Zu oft verspricht man sich, während schneller und impulsiver Monologe. Der einzige, der an diesem Abend über solchen Dingen steht, ist Zacharias Preen. Nicht das dieser sich nicht auch verhaspeln würde, doch ist dies als Teil seiner Rolle wohlwollend auslegbar. Auffallend jedoch sind solche Schwächen vor allem bei Agnes Richter, David Allers und auch bei Felix Zimmer, die normalerweise mehr leisten können.

Verbrennungen kann ich nur bedingt empfehlen. Zu schwer ist die Kost und zu verworren das Geschehen schon an sich. Und die dünne Geschichte hinter all den Bildern und Metaphern scheint nicht mal von den Schauspielern getragen zu werden. Anders lässt sich die nervöse Darbietung nicht erklären.

Das Kieler Schauspielhaus hat so viel mehr zu bieten.

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