Schon - Zeit

Schon Zeit! Schon Zeit ? Schonzeit…

Neulich in der Bahn

Verfasst von Schonzeit am Samstag, 1.März 2008

Ich sitze mal wieder in einem Zug. Ich hasse es das tun zu müssen, aber es geht ja nicht ohne manchmal. Kurz nach mir steigt ein Pärchen ein. Sie ist eindeutig mit afrikanischen Wurzeln in irgendeiner Form gesegnet und er …. Er ist eine Erscheinung für sich. Beide sind ziemlich Öko. Nebenbei ist er noch eine optische Mischung aus Reinhold Messner und Helge Schneider. Wobei er von beiden die weniger hübschen Attribute auf sich vereint.

Mit den beiden kommt auch ihr Nachwuchs in einem Kinderwagen mit an Bord. Kurzerhand stürzt man sich auf einige freie Plätze und drapiert den Kinderwagen im Gang. Bis hierhin ist die Geschichte eher unspektakulär und höchstens dann amüsant, wenn man den Kerl gesehen hätte.

Doch bereits nach einigen Momenten bemerkt der Mann, der sich ansonsten mit seiner Partnerin auf Englisch verständigt, neben ihm einen Mann, der mit seinem Notebook arbeitet. Er beginnt sich den Mann genauer zu betrachten und das dann auch noch sehr misstrauisch.

Nach kurzer Zeit hält er es nicht mehr aus und spricht den Menschen an.

„Entschuldigen Sie, können sie bitte damit aufhören das Kind mit Elektrosmog zu schädigen?“

Der Mann mit dem Notebook fühlt sich zuerst nicht angesprochen und arbeitet einfach weiter. Er sieht so aus wie ein Berufspendler, der wohl jeden Abend im Zug noch ein wenig mit dem Notebook arbeitet. Der Öko wiederholt seine Bitte etwas deutlicher und eindringlicher nach einigen Sekunden Wartezeit.

Diesmal fühlt sich der Mann angesprochen und reagiert uneinsichtig, wie zu erwarten war. Es entsteht eine Diskussion daraus, in der der Mann mit dem Notebook darauf hinweist, dass er hier zuerst saß und der Zug nur knapp über halbvoll ist und wenn es stören würde sicher ein anderer Platz genauso gut für das Pärchen wäre.

Dieses Argument will der Öko nicht zählen lassen. Schließlich habe er ein Anrecht auf freie Platzwahl. Und da müsse auch gesichert sein, dass er nicht „versmoggt“ wird.

Nun scheint sich der Mann mit dem Notebook kurz mit der Situation auseinander zu setzen und er bringt ein sehr schlagendes Argument ruhig und kurz überlegt an.

„Ich wage zu bezweifeln, dass die Strahlenbelastung eines Notebooks relevant ist, zumal wir hier in einem elektrischen Zug sitzen, der wahrscheinlich jede andere Belastung überlagern würde.“

Das Argument sitzt, wenn auch nicht wirklich für Lange. Als kurz nach Abfahrt der Schaffner auftaucht wird sofort bei diesem Beschwerde eingereicht.

Der Angestellte der Bahn reagiert jedoch auch nicht so wie gewünscht und schmeißt den Elektrosmogger nicht noch während der Fahrt aus dem Zug.

Immer wieder wird das Geschehen auf Englisch transferiert und er entschuldigt sich bei seiner Begleitung mehrfach dafür, dass Deutschland ein Land voller Ignoranten und Umweltverschmutzer wäre. Man könne als vernünftiger Mensch in Deutschland nun mal nichts erreichen. Sie selber kenne das aus ihrem Land wohl nicht und daher würde er sie ja auch schützen so gut es geht.

Überhaupt würde ja alles besser, wenn er was zu sagen hätte in Deutschland.

Irgendwann hatte den Mann mit Notebook offensichtlich der Schalk im Nacken erwischt und er blickte nochmals zu dem sich immer wieder beschwerenden Mann rüber.

„Schauen sie sich mal den Schaffner an. Der hat ein mobiles Datenübertragungsgerät. Nicht nur, das es an ist, es hat auch noch eine Funkverbindung. Nicht auszudenken, was da wohl alles passieren kann, wenn man nicht eingreift.“

Erstaunlicherweise brachte das den Mann zum Verstummen, bis die Kleinfamilie am nächsten Bahnhof nach ca. 10 Minuten Fahrt ausstieg.

7 Antworten zu “Neulich in der Bahn”

  1. xxartrejuxx sagt:

    Nicht sehr gut gemacht von dem Pärchen! Direkt Action wäre ein guter Anfang, um Leute ins Gespräch zu bringen… Aber das hört sich eher nach Leuten an die nicht so viel Ahnung von öffentlichen Aktionen haben oder nur “Wichtigtuer”.
    Zur Kommunikations-Guerilla gehören sie jedenfalls nicht! Naja jeder fängt mal an…

  2. Schonzeit sagt:

    @artreju

    Die Frage ist nur, was man damit erreichen will. Lautstark anderen Menschen seinen Willen aufzwingen in der Hoffnung damit die Welt zu verbessern kann nicht wirklich das Erfolgsrezept für eine bessere Welt sein.

    Vor allem wäre eine Zielerreichung hier tatsächlich mehr als unsinnig gewesen. Denn unter dem Strich hätte man nichts erreicht.

    Gelebte Null Toleranz also. Und das auch noch ohne Sinn und Verstand.

  3. xxartrejuxx sagt:

    Naja… “Willen aufzwingen” ist natürlich quatsch…
    “null Toleranz + ohne Sinn und Verstand” aber auch!
    Die Art und Weise war sicherlich nicht die Beste! Aber jeder hat auch mal einen schlechten Tag. Voreilige Schlüsse sollte man nicht ziehen, auch nicht im www oder um seinem Ärger Luft zu machen. “Erfolgsrezept für eine bessere Welt ” wird es wohl nie geben, ausser man liebt es blindlings nur für seine eigenen Vorteile einzutreten-das hatten wir schon mal und wollen wir nicht zurück! Wenn man Direct Action schlau ausführt, dann hat man immer ein Ziel erreicht - man kommt ins Gespräch und Diskutiert. Dies klappt natürlich nur, wenn man jedem seine Meinung und Lebensart lässt, aber dadurch schafft es Verständnis für andere Meinungen, Lebnesarten, Ansichten und Anschauungen.

  4. katrin sagt:

    Ich glaube der richtige Weg ist bei sich selbst zu schauen!
    Damit verändert man zwar nicht die ganze Welt, aber man bewegt etwas gutes in seinen kleinen Umfeld und dient als gutes Beispiel für die Gesellschaft!
    Naja :-)
    Ich finde es immer spannend über das Verhalten von anderen Menschen zu lesen. Obwohl ich fast täglich mit dem Zug fahre, ist mir sowas nicht passiert, schade eigentlich!!!

    Wobei ich mal erlebt habe, das eine Geschäftsfrau den Menschen am anderen Ende der Leitung zur Sau gemacht hat!
    Zuerst dachte das sollte ein Witz sein.
    Aber sonst…. :-)

  5. Schonzeit sagt:

    @Artreju

    Jetzt verstehe ich was du meinst. Ich entschuldige mich bei dir. natürlich kann man dann einen Dialog beginnen und das geschickt machen. Damit bewirkt man vielleicht etwas zukünftig. Jeder Mensch ist immer mal wieder Opfer seiner eigenen Vorurteile. Sie zu erkennen ist wichtig.
    Doch ist wie gesagt hier der ganze Dialog eher sinnlos gewesen. Schon allein, weil man sich wirklich in einer elektrifizierten Bahn befand.
    Ich persönlich gestehe auch ein, dass ich eher skeptisch bin, was die Auswirkungen von Elektrosmog angeht, da ich wohl nciht zu den Personen zähle, die diese Art von Smog wahrnehmen würden.

    @ katrin
    ich gebe dir voll und ganz Recht. Menschen grad in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im öffentlichen raum sind oft zu skurril. Deswegen liebe ich auch die Kieler Woche so sehr.

  6. ratzfatz sagt:

    So ein Mumpitz, denn wenn Elektrosmog sooo gefährlich ist, dann würde niemand mehr im Kraftwerk arbeiten und dort sofort tot umfallen!!!

    Wer so empfindlich ist, dass ihm schon ein Radiowecker am Bett Kopfschmerzen bereitet, die Person hat schlichtweg Pech!!!

  7. Schonzeit sagt:

    @ratzfatz

    Ich nehme wie gesagt selbst sowas auch nciht wahr. Ich glaube jedoch dran, das es solche Feinfühligkeit gibt und das ein Problem sein könnte. In der Regel ist es jedoch Anstellerei in meinen Augen.

Eine Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>