Der Kult Regisseur Tim Burton hat mal wieder zugeschlagen. Diesmal hat er sich an das Kultmusical „Sweeny Todd – The Demon Barber of Fleet Street“ herangetraut. Das schräge Musical von Stephen Sondheim aus dem Jahr 1979 feierte von Beginn an am Broadway einen Erfolg nach dem nächsten.
London. Irgendwann im 18. Jahrhundert. Der erfolgreiche und überglückliche Barbier Benjamin Barker ( Johnny Depp) gerät in eine Intrige. Der hinterhältige Richter Turpin (Alan Rickman) lässt ihn vors Gericht zerren und sendet ihn lebenslang in die australische Verbannung. All das geschieht ohne jeglichen juristischen Grund. Nur die verblendete Liebe zu der Frau des Barbiers treibt den Richter dazu dies zu tun und dann Frau und kleine Tochter an sich zu reißen.
15 Jahre später hat es Benjamin Barker geschafft sich aus Australien abzusetzen und kehrt unter dem Namen Sweeny Todd wieder zurück. Er findet sein ehemals so schönes Haus in einer nun trostlosen Gegend wieder. Bewohnt von einer Mrs. Lovett ( Helena Bonham Carter) die nach ihrer eigenen Aussage die schlechtesten Fleischpasteten der Welt versucht an den Mann zu bringen.
Kurzer Hand mietet sich Sweeny Todd bei ihr ein und macht einen Laden in seinem alten Haus auf. Schnell macht er von sich Reden in dem er den allseits beliebten Barbier Signor Adolfo Pirelli (Sacha Baron Cohen) öffentlich zu einer Wettrasur herausfordert und deklassierend besiegt. Doch all das macht er nicht für Geld. Von Anfang an treibt ihn der Wunsch nach Rache.
Er will auf diese Weise den Richter und den Büttel des Bezirks (Timothy Spall ) in sein Geschäft locken um dort Rache an ihnen zu üben für sein Schicksal und das seiner Familie. Seine Tochter gefangen im Haus des Richters als Mündel und die Frau, wie Mrs. Lovett erzählt, durch die Scham in den Gifttod getrieben.
Doch schon von Anfang an gibt es erste Schwierigkeiten. Als Pirelli in Todd den alten Barbier Barker erkennt erpresst er ihn und verliert sein Leben durch die Rasierklinge. Ein erstes Opfer ist da. Todd und Lovett haben eine Leiche zu beseitigen. Er, weil er von Rachsucht getrieben ist. Sie, weil sie unsterblich verliebt ist in den Mann, der in ihr Leben trat. Schnell schmieden die beiden makabere Pläne und eine wahre Mordserie ergreift London.
Sweeny Todd ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Film von Tim Burton, den ich jemals gesehen habe. Er ist sehr blutig und noch viel grausamer. Kein Wunder. Sterben die Opfer doch meist durch einen Schnitt in die Halsschlagader. Todd, der zu Anfang nur von Rache getrieben wird, verliert zunehmend die Kontrolle und läuft offen in etwas, was er selbst nicht ahnen geschweige denn kontrollieren konnte.
Dabei lässt Burton den Zuschauer an jedem Stadium der Entwicklung teilhaben. Die triste und farblose Realität wird nur kurz immer mal wieder überlagert durch Sequenzen in denen Erinnerungen oder Träume Farbe und Licht in das Leben bringen.
Stilistisch wird die Beklemmung somit von Anfang an an den Zuschauer weitergereicht. Nur das Blut ist eine willkommene Abwechslung in der Tristesse des Alltags. Dabei ist der Hauptcharakter zugleich Gut und Böse. Es werden in diesem Streifen keine moralischen Werte vermittelt. Das Herz kann nicht für Sweeny Todd schlagen, doch ist er auch nur ein Opfer seiner selbst und so fühlt man mit ihm oder dem Teil Benjamin Barker der noch existiert.
Wie schon in früheren Werken arbeitet Burton sehr eng mit Johnny Depp zusammen und auch diesmal geht das Konzept auf. Die beiden haben sich aufeinander eingeschworen, wie kein Duo sonst in Hollywood. Zusätzlich hat der Regisseur noch an dem Set von Harry Potter gewildert und gleich drei begnadete Schauspieler mit an Bord geholt. Helena Bonham Carter könnte sogar 1 zu 1 von dem Set genommen worden sein ohne vorher neu geschminkt zu werden. Ist doch auch ihr Charakter bei Potter eher Zwielichtig und fahl.
Alle Gesangsstücke sind von den Schauspielern selbst eingesungen, was grad bei Alan Rickman eine wahre Freude ist. Seine Stimme ist immer wieder eine Erfüllung.
Sweeny Todd ist ein Meisterwerk für sich. Ein Musical, ein Hollywoodstreifen, ein Drama, ein Horrorfilm. Doch gewiss ist Sweeny Todd keine einfache Unterhaltung.
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