Ungebändigte Jugend

Als ich jung war haben wir eine Menge Blödsinn gemacht. Einiges davon tut mir heute leid, weil es sicher auch fahrlässig gewesen ist und doch hatte ich immer das Gefühl wir wussten genau was wir taten.

Als wir damals einen Fernseher von einer nahegelegenen Autobahnbrücke geworfen hatten war alles Generalstabsmässig geplant. Die Grube unter der Brücke war abgesichert. Wir hatten insgesamt 4 „Kamerateams“ positioniert und auch ansonsten an die Sicherheit gedacht. Letztlich hatten wir die Erlaubnis von dem Besitzer der Grube unter der Voraussetzung, dass wir danach auch wieder aufräumen. Dies sollte noch das größte Abenteuer an der ganzen Geschichte werden, aber das wussten wir damals nicht oder wollten es nicht wissen.

Auch ich kenn somit den Nervenkitzel wie es ist, wenn man etwas von einer Brücke wirft. Es ist eine spezielle Form der „was passiert dann“ Maschine aus der Sesamstraße. Natürlich weiß man eigentlich was passiert. Das Gerät platzt auf dem Boden auf und zerlegt sich in mehr oder minder viele Einzelteile. In unserem Fall zerlegte sich das Gerät in mehr Einzelteile, was einen wirklich guten Effekt abgab und eine mörderische Kleinarbeit nach sich zog.

Im Fall des Holzklotz, der einfach in den öffentlichen Verkehrsraum geworfen wurde, waren die Möglichkeiten ungleich Mannigfaltiger. Man warf das Ding wohl mit dem Vorsatz ein Fahrzeug zu erwischen. Man wollte wissen was wohl passiert wenn dieser 6 Kilo Klotz das Fahrzeug erwischt.

Die Chancen mit diesem Holzklotz einen Menschen zu verletzen oder zu töten standen wirklich gut. Selbst wenn man ein Auto nicht direkt treffen würde, so würde der Klotz auf der Straße liegen und bestimmt durch eines der folgenden Fahrzeuge getroffen werden. Und so ist es nur richtig in meinen Augen, wenn man hier von Mord spricht. Es waren 6 Kilo Holz die das Leben aus einem Menschen in Sekundenbruchteilen herausschlugen.

Ein Mensch musste sterben, weil irgendwer mit der Physik und der Macht über andere Menschen spielen musste. Ob derjenige sich jetzt als Gewinner oder Verlierer dieses Spiels ansieht kann ich nur erahnen und hoffen, dass solche „Streiche“ nie wieder vorkommen. Denn auch ich bin mal nachts auf der Autobahn unterwegs und möchte mein Leben nicht deswegen aushauchen müssen, weil irgendwer testen möchte wie es sich anhört, wenn ein Auto von einem herabfallenden Gegenstand getroffen wird.

10 Antworten

  1. Ich habe schon seit Jahren jedesmal ein mulmiges Gefühl, wenn ich unter einer Autobahnbrücke durch muss, auf der Menschen stehen. Ich glaube, wenn ich das sehen, würde, dass das wer was runterschmeisst, ich würd rausfahren und versuchen, denjenigen zu erwischen. Und ich möchte nicht öffentlich sagen, was ich wahrscheinlich täte, wenn ich einen erwischte…

    Ich kann nur hoffen, dass man diese -gibt es überhaupt ein passendes Wort für solche?- erwischt und mal ein Exempel statuiert. Aber wahrscheinlich wird es wieder mit einer milden Jugendstrafe „denn sie wissen nicht, was sie tun“ und einem Erholungs strike Erziehungsurlaub auf Mallorca enden für diese Teufelsbrut…

  2. @jekylla

    ich fürchte auch, das in der heutigen Zeit ein mildes Urteil auf Resozialisierungsbasis das einzige ist auf das ein Mensch hoffen darf. Und zur Belohnung wie gesagt dann noch der Trip nach Malle um noch ein wenig Abstand von seiner bösen Seite zu erlangen.

    Ich hoffe inständig das das nicht so kommen wird.

  3. Ich kenne die Getötete zwar nicht persönlich, aber sie kommt aus dem Verwandtenkreis einer Freundin von mir. Echt ne scheiß Sache…

  4. Wir haben immer nur auf Autos gespuckt – aber nur auf die die nicht zurückgewunken haben…

    Aber ein ungutes Gefühl hab ich selbst auch immer wenn ich jmd. auf ner Brücke vor mir sehe.

  5. ich fand die jüngste Fahrt von Lippstadt nach HAmburg auch weniger witzig. Ich hab zwar nicht bei jeder Autobahnbrücke, unter der ich durchgefahren bin, ein mulmiges Gefühl, aber doch bei vielen. Und wenn ich dann noch höre, dass am Horster Dreieck gegen 16.30 Uhr irgendwelche Idioten Steine auf die Fahrbahn geschmissen haben und ich da wohl exakt fünf Minuten vorher hergefahren sein muss, dann wird’s mir immer noch schlecht.
    Ich hoffe wirklich auch, dass diese A*schlöcher gepackt werden. Wobei das der Familie der Hinterbliebenen natürlich auch nicht viel hilft, vermute ich.

  6. @ Andre

    Das ist ja auch ne andere Liga als Steine und Holzklötze schmeissen.

    @ Kirsten

    Das muss man sich dann ja nochmal intensiver vorstellen. Da ist man selbst nur solcher Idiotie um einen Wimpernschlag entronnen. Eben nur, weil man grad 120 fuhr oder der Werfer noch seineTechnik trainierte anstatt scharf zu schiessen.

    Schlimm ist vor allem dieses Nachgeahme, weil irgendwer in dem Medienrummel Coolness meint zu entdecken.

  7. Man sollte sich jetzt nicht bei jeder Brücke Gedanken machen. Weil sie total unbegründet sind. Es passieren viel mehr tödliche Unfälle weil Autofahrer schlampig handeln. Natürlich gibt es ein Risiko, das gibt es beim Autofahren aber allgemein schon, die Wahrscheinlichkeit von jemandem auf ner Brücke beworfen zu werden ist doch kaum messbar. Oder wie man so schön sagt, man wird wahrscheinlich noch eher von nem Blitz getroffen…

  8. @ Gigi dag

    aber es sind meist die irrationalen Ängste die den Menschen am meisten beschäftigen. Recht hast du ganz klar.

  9. @Gigi Dag: Klar sollte man das nicht. Aber das passiert ganz automatisch.

  10. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung begruendet sich aber unter anderem darin, dass der Fall eben auch mal eintritt. Eine Zielgruppe muss fuer diese Variable sorgen. DAS ist das Problem.

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