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Emilia Galotti - Schauspielhaus Kiel

Verfasst von Schonzeit am Freitag, 4.April 2008

Das Kieler Schauspielhaus greift in der aktuellen Spielzeit ein Stück von Gotthold Ephraim Lessing auf, das sich auf tragische Art und Weise mit dem Thema Liebe auseinandersetzt.

Doch ist das Stück viel mehr als bloß eine tragische Liebesgeschichte. Es ist ein Politikum und berichtet in detaillierter Form vom Hochmut des Adels dem Bürgertum gegenüber.

Der Prinz Hettore Gonzaga (Stefan W. Wang)  ist von der Liebe zur Gräfin Orsina (Agnes Richter) gelangweilt und betet die Bürgerliche Emilia Galotti (Dorothee Föllmer)an. Doch diese ist kurz davor mit dem Grafen Appiani (Marko Gebbert) in den heiligen Bund der Ehe zu treten. Der Prinz ist schwer betrübt. Doch schmiedet sein treu ergebener Vertrauter Marinelli (David Allers)einige Pläne um diese Hochzeit zu verhindern.

Nachdem der ursprüngliche Plan misslingt den Grafen mit einer wichtigen Mission zu betrauen und außer Landes zu schaffen, greift das adelige Duo zu härteren Mitteln. Eine Entführung soll der Situation hilfreich sein. Im Verlauf ebendieser Handlung findet der Graf und zukünftige Ehemann jedoch den Tod.

Marinelli versucht händeringend die Situation zu kontrollieren, doch kommt ihm der Umstand in die Quere, dass sich der Prinz nicht einzig und allein auf seine Handlungen verlassen hat, sondern der verlobten Emilia seine Liebe am Hochzeitstag gestand. Durch dieses Handeln liegt der schwere Verdacht auf dem Prinzen und Marinelli, dass der Tod des Grafen von langer Hand geplant war.

Emilia ahnt von all dem nichts und wähnt sich beim Prinzen auf seinem Lustschloss in Sicherheit, während dieser seine ehemalige Geliebte Orsina abschieben will. Als ihr die Situation erklärt wird durchschaut auch sie sofort das Spiel hinter allem und warnt Odoardo Galotti (Matthias Unruh).

Das Treiben findet in einem tragisch sinnlosen Schicksal sein Ende, das den Zuschauer berührt und verstört.

Die Inszenierung des klassischen Stücks von Lessing wirkt sehr frisch und modern. Die Stilmittel auf der Bühne sind schlicht und doch aufdringlich. Das Bühnenbild bewegt sich von schlichtem weiß bis hin zu aufdringlichem Rot. Unschuld und Sünde nehmen in Bildern ihre Rollen ein. Eine tiefere Symbolik versteckt sich in allem, was auf der Bühne als Element der Dekoration mit eingebracht wird. Und sei es nur ein Sandsack aus dem das Stück über immer mehr Sand auf den Boden rinnt.

Auch musikalisch greift man eher auf moderne Stücke zurück. Französischer Chanson gepaart mit Balladen wie „When a blind man cries“ untermalen die Handlung passend und mit viel Stil.

Dieses Stücks ist nicht einfach in seiner Kieler Form. Werden doch sehr viele Brücken zwischen Klassik und Moderne geschlagen. Der Regisseur möchte damit sicher aussagen, dass auch in heutiger Zeit die Handlung ebenso aktuell ist wie vor 200 Jahren, als das Stück entstand.

In meinen Augen ist Emilia Galotti eine gelungene Aufführung, wenn ich auch zugeben muss, dass mir aus Unkenntnis des Stücks der tiefere Sinn der Handlung lange verborgen blieb und ich mehr durch die Inszenierung an sich als durch das Stück mitgenommen wurde auf die Reise.

Das Stück lässt sich jedoch dem Theaterfreund ans Herz legen. Die Schauspieler stecken intensiv in ihren Rollen und die Aufführung ist auf jeden Fall etwas zum Nachdenken und für das Auge des Zuschauers.

 

2 Antworten zu “Emilia Galotti - Schauspielhaus Kiel”

  1. Sonja sagt:

    vor allem für das Auge des weiblichen Zuschauers, echt lecker der Wang….

  2. Schonzeit sagt:

    ja stimmt. Nebenbei lässt sich noch bemerken, dass der Hauptdarsteller zwischenzeitlich nackt auf der Bühne stand.

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