Ich würde so gern den „kleinen Mann“ unterstützen mit meinem Einkauf. Den, der sich täglich die Hände wund schuftet für ein kleines Zubrot und dennoch von seinem Arbeitgeber mit Füssen getreten wird. Doch heutzutage ist das nicht mehr wirklich einfach.
Ich hab mein Nokia Handy verbrannt und meide Lidl.
Und wenn ich mich im nächsten Moment umdrehe merke ich, dass das alles total egal ist.
Image ist nicht mehr wichtig, wenn man einmal ein großes Unternehmen ist. Da kann man den Käufer und den Mitarbeiter noch 20 Mal mit Füssen treten und eine halbherzige Entschuldigung raus würgen. Der Verlust von Image bedeutet nur, dass man einen kleinen Prozentsatz an Käufern verliert. Das macht niemandem ein unruhiges Wochenende, der in der Hierarchie weiter oben steht.
Vor allem ist es doch blöd, wenn man sich mal vor Augen führt wie die Alternativen aussehen.
Als nächstes kauf ich mir ein Handy, das in Deutschland hergestellt wurde. Ach so… geht nicht. Gibt es nicht. Nokia war der letzte Hersteller. Die Luft wird auch dünn, wenn ich all die Abwanderer meide.
Und Lidl… Der Skandal zieht ja nun doch weitere Kreise. Nun stecken auch noch Edeka und Plus mit drin. Ironischer weise sind die nächsten Märkte zu meinem Wohnort Edeka, Plus und Lidl. Nun weich ich dann auf Sky oder Aldi aus und warte ab, was über die nächste Woche in den Medien steht.
Und letztendlich mach ich alles um ein gutes Gewissen zu haben als Konsument und doch stehe ich am Ende immer als der Dumme da. Und die Manager von morgen überlegen sich schon in ihrer Ausbildung, wie sie mich und ihre Untergebenen auch am besten ausbeuten können.
Freitag, 4.April 2008 um 11:27
Ich würd niemals wegen dem Gewissen auf andere Anbieter oder Märkte ausweichen, weil es, genau wie du sagst, sinnlos ist. Es gibt immer und überall Haken. Deshalb versteh ich auch die Fritzen nicht die genau darauf achten wo ihre Lebensmittel herkommen. Das ist fast genauso blöd. Wenns nach Umfragen geht würden die Menschen zu zwei Dritteln Eier aus Freilandhaltung kaufen…und wie sieht die Realität aus? Zwei Drittel der Menschen kaufen Eier aus Käfighaltung…warum? Weils billiger ist! Wenn man Wert auf Qualität legt, dann kauft kein Fleisch für ein Paar Cent, man sollte sich vielmehr fragen wieso es so billig ist. Qualität hat ihren Preis. Deshalb kaufe ich auch kaum bei Discountern. Erstens weil sie die Preise ruinieren und zweitens weil ich dann wenigstens denke dass ich bessere Ware kaufe, auf die Herkunft schaue ich trotzdem nicht, weil ich zu faul bin ^^
Freitag, 4.April 2008 um 11:45
Das mit Aldi würde ich mir noch mal überlegen
http://www.steinis.ch/index.php/2008/03/26/lidl-aldi/
Das hat seine Entsprechung in Deutschland, ich verzichte mal auf bündelweise Links dazu.
Langsam treibt mich die political correctness beim Einkaufen auf die Palme und weicht einem stetig keimenden Egoismus. Wenn ich nun mal am liebsten ein Nokia Handy habe und damit am besten zurechtkomme und es alle meine Anforderungen erfüllt, bleib ich beim Nokia und quäl mich nicht mit anderem rum. Wenn ALDI oder Edeka direkt neben mir liegen, blas ich nicht für ca. 1,38€/l Sprit in die Luft, um ein Zeichen zu setzen, was keinen interessiert.
Ich habe es aufgegeben mir einzubilden, dass Freilandeier wirklich alle aus Freilandhaltung kommen und Ökofleisch niemals Gammelfleisch sein kann. Man wird belogen, betrogen und über den Tisch gezogen, wo es nur geht, am Ende des Monats ist mehr Platz in der Kasse als Geld drin und nun sag ichs einfach mal so: ich habs satt.
Im Übrigen geht das den “Riesen” am hinteren Teil des Rückens vorbei, ob ein paar von uns Pappnasen sich darüber aufregen. Selbst wenn es ein paar mehr sind, in ein paar Tagen wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben und dann wars das. Oder ist Nokia noch gross in der Zeitung? Was hat das bundesweite Jammern, Drohen und Wehklagen gebracht.
Modern times.
Freitag, 4.April 2008 um 14:52
Öko bezieht sich ja nur auf die Haltung, nicht ob es verschimmelt ist. Also kann Gammelfleisch natürlich auch verschimmelt sein und Eier aus Ökohaltung verfault. Der Gesundheitsgrad oder Vorteil ist übrigens so gering dass sich das Kaufen von Ökolebensmitteln eigentlich nicht lohnt, wer sie kaufen will kann dies also eigentlich nur aus Überzeugung oder Tierliebe tun.
Freitag, 4.April 2008 um 17:52
@ Gigi Dag
Natürlich ist der Mensch an sich in der regel träge. Davon profitieren natürlich die Produzenten von Waren und die Händler. Zwar echauffiert man sich, wenn man gequälte Tiere oder Mitarbeiter im TV sieht, aber das geht ja auch wieder vorbei.
@Jekylla
Das ist ja eben das Problem in der gesellschaft. Eigentlich könnte man nirgendwo mehr guten Gewissens einkaufen. Zumindest nicht bei einem Discounter, wobei ich mir vorstelle, dass es auch bei anderen Händlern nicht besser ist. Der Preisdruck macht menschliche Arbeitsbedingungen anscheinend unmöglich. Ich habe es auch satt da drüber nachzudenken. Ich würde mir nur wünschen es gäb die Realität hinter den Gedanken gar nicht erst.
@Gigi Dag
Ich denke mal, dass es bei dem Vergleich mit den Öko Produkten darum ging, dass damit auch gleich ein positiveres Image schlechthin verkauft werden soll. Natürlich ist das einzige, was wirklich etwas für die Umwelt bringt das achten auf Lebensmittel aus der Region und das allein auch nur wegen den Transportwegen. Der Rest macht unterm Strich nicht viel Unterschied, wie schon bereits erwähnt.