Glennkill - Ein Schafskrimi - Leonie Swann
Verfasst von Schonzeit am Samstag, 12.April 2008
Auf dem Einband steht Glennkill – Ein Schafskrimi. Ein schlichter Umschlag mit einem kleinen Schaf drauf und viel Schatten vom Schaf. Und so ist auch das Buch. Es zeigt uns als Lesern viel von dem, was wir normalerweise als nebensächlich erachten. Normalerweise lese ich keine Krimis und für mich ist es auch nicht zwingend ein Muss ein Buch zu lesen, weil es auf der Spiegel Bestsellerliste steht, aber dieses Buch kribbelte schon länger unter den Fingern.
Schafe als Ermittler waren mir irgendwie gelegen. Ich hoffte ein wenig erfrischende Abwechslung zu bekommen. Und die bekam ich tatsächlich.
Leseprobe:
„Gestern war er noch gesund“, sagte Maude. Ihre Ohren zuckten nervös.
„Das sagt gar nichts“, entgegnete Sir Ritchfield, der älteste Widder der Herde, „er ist ja nicht an einer Krankheit gestorben. Spaten sind keine Krankheit.“
Der Schäfer lag neben dem Heuschuppen unweit des Feldwegs im grünen irischen Gras und rührte sich nicht. Eine einzelne Krähe hatte sich auf seinem wollenen Norwegerpullover niedergelassen und äugte mit professionellem Interesse in sein Innenleben. Neben ihm saß ein sehr zufriedenes Kaninchen. Etwas entfernter, nahe der Steilküste, tagte die Konferenz der Schafe.
Sie hatten Ruhe bewahrt, als sie ihren Schäfer an diesem Morgen so ungewohnt kalt und leblos vorgefunden hatten, und sie waren sehr stolz drauf. Natürlich hatte es im ersten Schrecken ein paar unüberlegte Rufe gegeben: „ Wer bringt uns jetzt Heu?“ etwa, oder „Ein Wolf! Ein Wolf!“ Aber Miss Maple hatte schnell dafür gesorgt, dass keine Panik ausbrach. Sie erklärte, dass mitten im Sommer auf der grünsten und fettesten Weide Irlands sowieso nur Dummköpfe Heu fressen würden und dass selbst die raffiniertesten Wölf e ihren Opfern keinen Spaten durch den Leib jagten. Und ein solches Gerät ragte ganz zweifellos aus den morgenfeuchten Innereien des Schäfers.
[…]
Doch bisher hatte sich Miss Maple noch nicht an der Diskussion beteiligt. Jetzt sagte sie: “Wollt ihr denn gar nicht wissen, woran er gestorben ist?”
Sir Ritchfield sah sie erstaunt an. “Er ist an dem Spaten gestorben. Du hättest das auch nicht überlebt, so ein schweres Eisending mitten durch den Leib. Kein Wunder, dass er tot ist.” Richtfield schauderte ein bisschen.
“Und woher der Spaten?”
“Jemand hat ihn hineingesteckt.” Für Sir Ritchfield war die Sache damit erledigt, aber Othello, das einzige schwarze Schaf der Herde, begann auf einmal, sich für das Problem zu interessieren.
“Nur ein Mensch kommt in Frage — oder ein sehr großer Affe.” Othello hatte eine bewegte Jugend im Zoo von Dublin verbracht und versäumte es nie, bei Gelegenheit darauf anzuspielen.
“Ein Mensch.” Maple nickte zufrieden. Die Zahl der Verdächtigen ging rapide zurück.
Und so beginnen die Ermittlungen im Mordfall George Glenn. Natürlich verhalten sich die Schafe nicht immer wie authentische Schafe, aber sie geben sich Mühe und die Tatsache, dass sie sich selbst bewusst sind, wie sich solche Schafe zu verhalten haben macht den Lesespaß noch ein wenig größer.
Glennkill ist eine schöne Abwechslung im Lesealltag und sorgt für die eine oder andere Unterhaltung. Ich wage jedoch zu vermuten, dass der wahre Krimi Fan seine Erwartungen an Genialität und Anspruch ein wenig zurückschrauben muss, denn auch wenn Glennkill herausragend geschrieben ist, so muss die Autorin an einigen Stellen ein wenig basteln, damit die Schafe auch in der Ermittlung vorankommen.
Dies ist jedoch das einzige, was der Autorin als Schwäche ausgelegt werden könnte. Wer darüber hinwegsehen kann, der wird mit der Herde eine Menge Spaß haben und sich köstlich amüsieren.
Ich habe mich sehr gut amüsiert und werde sicher noch einige Male schmunzelnd an die irischen Schafe zurückdenken und ihre Abenteuer Revue passieren lassen.
Glennkill – Ein Schafskrimi – Echt schaf
Samstag, 12.April 2008 um 13:11
Danke, Bruderherz, für diese Rezension! Ich hatte das Buch schon mehrere Male in der Hand bzw. auf dem Monitor, habe mich allerdings als eingefleischter Krimifan noch nicht getraut, es zu kaufen. Nicht aus Angst, es könne neben Nesser, Mankell und co. nicht spannend genug sein, sondern eher aus Sorge, es könne mich einfach literarisch nicht fesseln.
Da ich aber weiß, dass auf Deine Meinung Verlass ist und mir außerdem die Leseproben irre gut gefallen haben, werde ich mir das Buch nun doch mal zulegen - vermutlich als Hörbuch, denn die Lütte lässt mir wenig Zeit zum Lesen. Es geht doch nichts über ein gutes Hörbuch während des allabendlichen Fläschchenspülens…!
Also nochmal danke, bin sehr gespannt!
Liebe Grüße an Euch beide und *knuddel* vom Rhein an die Kieler Förde! M.
Samstag, 12.April 2008 um 13:18
@Mareike
Wie gesagt. Ich weiß nicht wie ein Krimifan zu dem Buch stehen mag, aber ich als Fan von Schafen hab mich echt köstlich amüsiert darüber.
Ist wahrscheinlich besser das Buch als Schafstory zu sehen als als Krimi.
Ich bin auf dein Urteil gespannt.
Dienstag, 15.April 2008 um 12:48
Nun ja, bloß weil es einen Toten gibt und der Mörder gefasst wird, muss man es wohl Krimi nennen, aber eigentlich ist es viel mehr als das.
An manchen Stellen ist die Handlung schon etwas “konstruiert”, aber ich habe einige Male beim lesen gekichert und das will was heißen, ausserdem einer der ersten Krimis, den ich mehr als einmal gelesen habe (diese Ehre haben sonst nur die Katzenkrimis um Mrs. Murphy oder Francis, dem Klugscheißer).
Mein Highlight ist jedoch der Gag um “Satan, den Esel vom Nachbarhof”
Schade, dass es wohl kein weiteres Exemplar geben wird, ich bin doch so ein Serienfreak!
Dienstag, 15.April 2008 um 13:00
Ich hab mich wie ja schon erwähnt auch schon sehr amüsiert.
Finde es aber auf der anderen Seite sehr gut, auch wenn ich Serien immer mag, das man diese Story wohl abschließt.
Alles andere würde den eh schon konstruierten Eindruck wahrscheinlich vordergründig statt hintergründig machen.
Obwohl man ja niemals nie sagen soll. Lass die Dame man erstmal andere Dinge schreiben, solange sie ihrem Charme und Erzählstil treu bleibt.