Es ist schwer heutzutage etwas qualitativ Hochwertiges zu einem vernünftigen Preis unter die Leute zu bringen.
Da ist das Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits will man ja auch was verkaufen. Andererseits will man den Kunden auch gern so beraten wie es sich gehört.
Da ist es schon schwer 10 Mal am Tag dasselbe Gespräch zu führen:
„Sagen sie mal. Die Kamera für 44 Euro. Die Bilder kann man doch auch in Din A4 ausdrucken, oder? Hab ich mal gesehen bei ner Freundin. Aber die hat da voll viel für ausgegeben und die Kamera hat nicht mal 12 Megapixel.“
„Ist sicherlich ganz nett FÜR DEN PREIS die Kamera. Natürlich nichts Hochwertiges.“
„Dann würde man die doch nicht so als Angebot anpreisen. Die hat doch aber ein Lithium Ionen Akku oder?“
„Äh nein. Die hat normale Batterien.“
„Ah. Verstehe. Die läuft mit den alten Akkus. Ein Ladegerät dafür ist doch sicher mit dabei, ja?“
„Nein. Ein Satz normale Batterien ist mit dabei. Ein Ladegerät gibt es hier extra.“
„Das ist ja fast so teuer wie die Kamera. Naja. Sowas kann man sich ja im Zweifelsfall noch im Internet bestellen. Wie sieht es denn aus mit der Videofunktion. Ist die mit Ton?“
„Nein. Die ist in dem Fall ohne Ton. Die Kamera ist ein wirkliches Einsteigermodell.“
„Ja klar. Ich brauch auch nicht so ein Spiegelreflexding. Wie viel Speicher ist denn gleich mit dabei?“
„Die Kamera hat 12 MB internen Speicher. Das reicht für ca. 4 Bilder bei höchster Auflösung.“
„Sie meinen ich muss da auch noch eine Speicherkarte zu kaufen? Das ist ja die Höhe. Sowas nennt man Lockangebot. Da verkauft man eine Kamera und packt da nur Batterien und ne Tasche bei, damit man sich alles andere teuer in ihrem Wuchermarkt kaufen muss.“
„Äh… also das mit der Tasche….“
Spätestens in diesem Moment entscheidet sich ob der Kunde genervt das Wucherangebot annimmt und den Laden verlässt oder ob er einfach so geht und sich darüber beschwert, dass bei Technik Discountern alle eine Meise haben.
Kauft der Kunde das Gerät und macht damit schlechte Erfahrungen, dann ist natürlich auch der Verkäufer schuld, weil man selbst ja nichts für seine eigene „Geiz ist geil“ Mentalität kann.
Da ist es sehr schwer seine Beratungskompetenz für andere Kunden mit echten Problemen wirklich aufrecht zu erhalten. Wobei es bei den meisten Verkäufern zu der Art von Resignation kommt nach ein paar Jahren in dem Geschäft, die dazu führt, das man nur noch Menschen die sich für Spiegelreflexkameras interessieren für wahre Kunden halten und alle anderen mit unnötiger Geringschätzung abstraft als Ausgleich für all die wirklich schlimmen Kunden, die man in seinem Leben mal vor sich hatte. Da kann man sich natürlich drüber streiten. Letztlich gilt natürlich das Motto: Mach deinen Job gern und gut oder mach was anderes.
Doch ein wenig Verständnis kommt bei mir auf, wenn ich mal wieder ein wie oben geschildertes Gespräch mitbekomme. Dann habe ich Mitleid.
Mittwoch, 2.Juli 2008 um 13:05
Ich bin in solchen Fällen fast immer komplett auf der Seite der Verkäufer. Wenn man nämlich in einen guten Markt geht, wird man auch gut beraten. Und vor einem Kauf sollte man sich halt beraten lassen, besser ein Paar Mal. Und wer sowieso nur darauf aus ist, eine Kamera möglichst billig zu kaufen, der sollte es lieber ganz lassen. Sowas kostet halt, da gibs nix für ein Paar Euro. Ne Freundin hat sich auch sone seltsame Kamera im Internet gekauft, für 50 Öcken…und die war natürlich totaler Kokolores. Man oh man, solche Leute versteh ich nicht, die geben im Endeffekt wahrschinleich mehr aus als Leute die von Anfang an in Qualität stecken. Und dass Qualität und gute Beratung nunmal ihren Preis hat, ist ja eigentlich auch bekannt.
Mittwoch, 2.Juli 2008 um 13:44
Schaps, Du sprichst mir aus dem Herzen, ich mach auch gern mal ein Schnäppchen, aber gute Beratung und Qualität der Produkte haben eben ihren Preis!
Ja, Herr Schonzeit, mein Mitleid gehört – aus gegebenem Anlass- in solchen Fällen auch den Verkäufern.
Schöne Geschichte, muss trotz Mitleid einfach drüber schmunzeln… Liebe Grüsse Andrea
Mittwoch, 2.Juli 2008 um 14:52
@ Schaps
Du sagst es. Qualität hat ihren Preis. Hab in letzter Zeit auch häufig gehört: Gehen sie bei dem Internetpreis mit, dann würde ich hier kaufen.
Da bekomme ich auch zu viel. Man möchte alle Vorzüge aus beiden Welten. Das geht nunmal nicht. Vor allem wenn man von diesen irrealen unsicheren Händlerpreisen ausgeht. Klar geht preislich heute immer was, doch man muss sehen, dass man eine gewisse Relation hinbekommt.
@Andrea
Man muss ja auch ganz stark zwischen Schnäppchen und geiz unterscheiden. Ein Schnäppchen ist immer gut. Bin ich auch ein großer Fan vn. Ich versuche auch immer die Preise ein wnig zu drücken, gehe aber mit realistischen Erwartungen in ein Gespärch in der Regel.