Wenn man an Superhelden denkt, dann sind es in der Regel strahlende Gestalten, die ein geregeltes Leben haben und nebenbei als Hobby quasi die Welt immer wieder vor den dazugehörigen Superschurken retten. Natürlich gibt es in der Comicwelt auch Ausnahmen von dieser Regel, doch fristen diese im Kino in der Regel immer ein Schattendasein.
Hancock ist eine dieser Ausnahmen. Er trinkt, er stinkt, er flucht und hat eine ziemlich Gleichgültige Haltung fremdem Eigentum gegenüber. Sein Kostüm ist das was er grad am Körper trägt und meist ebenso wie er ziemlich runtergekommen aussieht. Bei seinen immer wieder gut gemeinten Aktion entstehen nicht selten größere Schäden als sein Eingriff überhaupt verhindern soll.
Er lebt ohne Wissen über seine eigene Herkunft. Nur grob kann er sich entsinnen bereits 80 Jahre so vor sich hin zu leben. So stolpert dieser arme Superheld von Tag zu Tag und erträgt sich wahrscheinlich selbst am wenigsten. Die Leute in L.A. hassen ihn und wünschen Hancock weg oder am liebsten in den Knast. Doch das sieht dieser natürlich so gar nicht ein und rüpelt lieber noch etwas mehr in der Gegend rum.
Eines Tages rettet Hancock auf seine eigene Art den PR Berater Ray vor dem sicheren Tod. Dieser macht sich daraufhin daran das Image des Helden aufzupäppeln und freundet sich mit ihm an. Rays Frau hingegen ist gar nicht begeistert davon grad diesen Kerl in ihren eigenen vier Wänden begrüßen zu müssen.
Doch alles kommt anders als es scheint. Hancock geht konsequent seinen Weg mit Ray zusammen und kommt dabei an ungewohnter Stelle dem Geheimnis seiner eigenen Identität ein Stück näher.
Hancock ist ein untypischer Film. Er hat einen Antihelden als Hauptfigur und wendet sich mitten im Geschehen zu einer völlig anderen Geschichte. Ein wenig Actionkomödie, ein wenig Action, ein wenig Tragik. Alles ändert sich. Das Tempo und das Timing und auch der Schwerpunkt des Films.
Einzig stetes Leitmotiv des Films ist die Entwicklung des Protagonisten von einer stetigen Belastung für sich und seine Umwelt hin zu jemandem der Verantwortung für sich und seine Umwelt übernimmt.
Bei dem Versuch einen überraschenden Film zu machen schlägt der Film durchaus ab und zu über die Stränge. So enttäuscht Hancock all die Leute die sich leichtes lustiges Popcorn Kino erwarten mit dauerhafter Action ohne viel Verstand. Nach knapp einer Stunde verlässt Hancock diesen Pfad und folgt einem teilweise sehr schwer zu verdauenden Weg aus der Misere der Existenz des Helden heraus.
Der Brückenschlag ist dennoch gelungen, wenn man bereit ist sich auf die Situation einzulassen und sich nicht zu sehr an den vorgefertigten Dimensionen eines Films festhält.
Hancock hat sehr schöne und auch leichte Momente. Ist aber für den typischen Action Fan schwerer zu verdauen als von den Trailern her zu erwarten war.
Die Effekte sind gut aber nicht überragend. Schon daran ist zu merken, dass Hancock seinen Fokus auf die Darsteller legt. Hier kann vor allem Will Smith mal wieder intensiv punkten. Dieser verkörpert John Hancock glaubwürdig und mehrdimensional.
Das aus Hancock kein großartiger Film geworden ist, hängt wahrscheinlich hauptsächlich daran, dass die Produzenten sich mit zu vielen verschiedenen Aspekten auseinandersetzen wollten. Das alles ist zu viel gewesen für diese Story oder die Art wie man an sie herangegangen ist.
Und doch ist Hancock das was er sein möchte. Ein etwas anderer Superheldenfilm, der nicht nur Augenschmaus ist.
Montag, 21.Juli 2008 um 20:40
Danke lieber Herr Schonzeit, das ist eine super Beschreibung des Filmes. Ich hatte im Fernsehen eine Vorschau gesehen und konnte ihn nicht wirklich einordnen…Mal sehen, ob ich ihn mir anschaue, klingt auf jeden Fall ganz interessant. Liebe Grüsse Andrea
Montag, 21.Juli 2008 um 22:41
Ich muss dir wirklich zu 100% zustimmen. Sehr guter Beitrag! Ich wollte auch erst eine Review schreiben, hatte dann aber irgendwie doch nicht die Lust dazu.
Ein guter Film, mehr LEIDER nicht.
Dienstag, 22.Juli 2008 um 12:25
@ Andrea
Ich kenne deinen geschmack ja nicht so, daher lasse ich das lieber mit den Empfehlungen. Ich sag nur, dass er anders ist als er sich selbst darstellt. Und gerade das finde ich ganz gut, wenn auch erst nachdem ich mich darauf eingestellt hatte nicht durchgehend seicht berieselt zu werden von der komödiantischen Schiene.
@ Schaps
Bei dir muss man ja auch vorsichtig sein, wenn du was rezensierst. nachher kostet dich das wieder Geld.
Samstag, 26.Juli 2008 um 1:36
Sehr schön zusammengefasst: ein anderer Superheldenfilm. Irgendwie stieß mich nur das kalte Spiel von Smith ab, der stets sehr distanziert rüberkam. Gewisse Experten unserer kleinen Blogrunde sind sich ja sicher, dass eine Hancock-Trilogie daraus wird. Ich würde das so nicht unterschreiben.
Samstag, 26.Juli 2008 um 10:45
@ Silencer
Ich denke auch nicht, dass sie daraus eine Trilogie machen werden. Dazu ist die Story in meinen Augen zu dünn und unergiebig. Soll ja nicht immer davon abhalten, aber mnchmal.