subjektive Wahrnehmung von Humor und Toleranz

Jüngste Ereignisse ließen mich schmunzelnd an meine Schulzeit zurückdenken.

Vor etwas mehr als zehn Jahren schickte sich ein bayrischer Entertainer an die Welt der Comedy in Deutschland umzukrempeln und einen neuen, frischen Wind auf die Bühnen der Republik zu bringen. Natürlich trat Mittermeier auch schon vorher auf, doch wurde seine Stimme erst dann langsam aber sicher gehört in unseren Gefilden. Internet gab es noch nicht und so breitete sich Zapped über Cds aus.

Ein guter Schulfreund von mir war anfänglich sehr begeistert von diesem Mann. Er hatte Charme und Witz und vor allem machte er sich über Dinge lustig, die er verstehen konnte. Er lästerte über Werbungen, die mein Mitschüler ebenfalls als dämlich abstempelte und nahm sich Serien wie MacGyver vor. 

Es war eindeutig. Die beiden schwammen auf derselben Wellenlänge. Die Anbetung nahm zu. Ich weiß nicht wie es sich genau zutrug, da ich mich nicht mehr genau daran erinnern kann, wie es sich damals zutrug. Ich meine auch, dass bereits auf dem ersten Zapped Album über Star Trek gelästert wurde.

Doch aus irgendeinem Grund erreichte dies meinen Mitschüler erst recht spät. Er, ein bekennender Trekkie wie auch ich, verstand dabei keinerlei Humor. Die Anbetung Mittermeiers, die sich auch auf seinen Zimmerwänden widerspiegelte, versiegte. Plötzlich durfte man den Namen in seiner Gegenwart nicht mehr erwähnen.

Besagter Mitschüler neigte schon immer zu Polarisierung. Satire war großartig, so lange es die richtigen traf. Doch etwas durch den Kakao zu ziehen, was man selbst innbrünstig liebte und immer wieder dadurch zelebrierte, dass man sich die Folgend er diversen Serien in den dazu passenden Uniformen mit Earl Grey Tee zu Hause ansah, ging weit über die Befugnisse eines Comedians hinaus.

Humor ist eben doch eine private Sache, bei der jeder seine Grenzen anders definiert und man oftmals feststellt, dass es mit der eigenen Toleranz anderen gegenüber vielleicht doch nicht so weit her ist wie man denkt.

9 Antworten zu “subjektive Wahrnehmung von Humor und Toleranz”

  1. zimtapfel Sagt:

    LOL
    Sehr schön! Ein wenig Selbstironie soll ja noch niemandem geschadet haben.

    Ich lehne mich jetzt mal amüsiert zurück und denke mir meinen Teil. Und werde, sollten wir uns mal im echten Leben treffen, nachfragen, ob ich da richtig liege… ;-)

  2. zimtapfel Sagt:

    Ach ja, und den Herrn Mittermeier werde ich im Januar in der Ostseehalle genießen können! :D

  3. Schonzeit Sagt:

    @ Zimtapfel.

    Ich fürchte du liegst falsch. Ich mag Mittermeier auch heute noch, auch wenn ich ihn teilweise für abgenutzt halte. Ich lache auch sehr drüber wenn er Dinge veralbert die ich mag. Aber der Gedanke drängt sich auf. :)

  4. Schonzeit Sagt:

    Und ich habe auch nur eine Star Trek Uniform.

  5. zimtapfel Sagt:

    (Ehrlich gesagt, ich denke mir eigentlich was anderes. Aber lassen wir das jetzt, wir wollen hier ja keine Ratespielchen veranstalten.)

  6. Schonzeit Sagt:

    ok. dann freu ich mich einfach noch mehr drauf dich mal kennenzulernen.

  7. Schaps Sagt:

    Bei Comedy und Satire ist es eine Grundlage, dass man tolerant sein und auch Kritik vertragen muss.

  8. andrea2007 Sagt:

    Lieber Herr Schonzeit, sehr schön geschrieben, dieser Beitrag. Ja, ein wenig über sich selber lachen zu können, kann nicht schaden… (ich als Blondine hab das auch gelernt:-) Seit ich mich selber nicht immer so ernst nehme, geht alles irgendwie ein wenig leichter. was ich nicht mag ist, bösartiges auf den Arm nehmen und extra doll in Wunden zu bohren… Aber darum geht es hier ja gar nicht. Ich finde Herrn Mittermeier auch sehr witzig, allerdings kann ich von ihm- wie auch von allen anderen guten Komikern- nicht zuviel “ertragen”, irgendwann wiederholt sich doch alles und auch wenn das ganz normal und ok ist, muss ich es mir ja nicht “antun”… Ups, ein kleiner Roman, naja, ich war ja auch lange nicht mehr hier, da hab ich was nachzuholen:-) Ganz liebe Grüsse vom Timendorfer Strand durch die Ostsee nach Kiel. Andrea

  9. Donkys Freund Sagt:

    Nun, es ist schon ein Unterschied, ob es die fremde oder eigene Gürtellinie ist. ;-) (Obwohl Mittermaier meist so die Gürtelschnalle trifft.)


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