Immer wenn ich mich entspanne und an nichts zu denken wage, dann schleicht sich dieser Gedanke in meinen Kopf. Plötzlich ist er da und schaut mir virtuell über meine Schulter. Belächelt was ich tue und bestimmt umgehend mein Denken.
Ich wende mich direkt an ihn und sage ihm, dass er sich nicht in mein Leben einfach so einschleichen sollte. Er grinst zurück mit seiner süßen körperlosen Art.
So soll es ja auch sein, säuselt er mir ins Ohr mit Honig und Milch.
Ich fühle wie ich mich von diesem Gedanken manipulieren lasse, oder manipuliere ich mich gar selbst? Schließlich ist der Gedanke ja in meinem Kopf entstanden. Er kann mir eigentlich gar nichts vorschreiben, da er nur ein Teil von mir ist.
So soll es ja auch sein.
Da! Er ist ein Teil von mir, doch war er das schon immer? Entstand er irgendwo in den endlos verwinkelten Windungen meines Geistes und hat nur seine Spuren so stark verwischt, dass ich seinen Ursprung nicht mehr finde? Oder kam er gar von außen? Setzte sich fest an der Rinde meines Hirns, nährte sich von meinen kreisenden Gedanken und schlug wurzeln? Immer weiter verästelt in meinem Gedächtnis und meinem Selbst. Langsam bohrend, so dass ich nicht merke, wie er sich immer weiter ausbreitet. Bis er schließlich ein Teil von mir wurde, dass ich nicht mehr verleugnen kann, dass ich brauche um meinen Tag beschreiten zu können?
So soll es ja auch sein
Sei still. Ich versuche mich zu konzentrieren. Du wirst nicht Besitz von mir ergreifen. Ich muss herausfinden, wie ich dir nicht verfalle. Wie ich mich nicht von dir in eine Richtung treiben lasse wie in einem reißenden Fluss, der stetig einem Abgrund entgegen rauscht. Ich will mich zur Wehr setzen gegen dich. Gegen den Strom schwimmen und das Wasser aus meiner Lunge pumpen, dass mich zu betäuben droht. Dich aus meinem Kopf verbannen mit all der Macht meiner Gedanken. Ich will mich konzentrieren darauf. Will dich entwurzeln, wie einen mächtigen Baum im Sturm und meinen Geist reinwaschen von dir.
Ich spüre dich.
So soll es ja auch sein.
Das hast du dir fein ausgedacht. Du schleichst dich hinein, wie ein Dieb in stiller Nacht und ich komme nicht mehr um dich herum. Bist wie ein kleines Kribbeln in mir. Ein kribbeln, dass zuerst angenehm wie streicheln wirkt und nun ein Jucken wurde an einer Stelle die ich mit meinen Fingern nie erreichen kann. Keinen Schritt kann ich tun ohne an dich zu denken. Ohne dir Tribut zu zollen und mich von dir beherrschen zu lassen.
So soll es ja auch sein.
Nein. So sollte es nicht sein. Ich sollte bestimmen können was ich denken will und was nicht. Ich sollte die Macht haben über meinen eigenen Geist zu bestimmen. Du bist körperlos und kannst mich nicht berühren. Du kannst mich nicht festhalten und in Schranken weisen. Du kannst mich nicht auf die Knie zwingen oder mich sanft in den Arm nehmen. Und doch hast du Macht über mich.
Nein. Sag es nicht. Ich weiß schon, was du sagen willst und ich wehre mich dagegen. Ich bin stark im Geist. Kann mich auch entspannen ohne an dich zu denken. Kann mein Leben leben. Es ist mein Leben und nicht deins. Du bist eine seelenlose Ansammlung von Elektrizität in mir. Kannst mich nicht berühren und doch kitzelt der Strom von dir ständig über meine Neuronen, meine Nervenbahnen entlang wie ein sanfter Wind. Aber ich gehöre mir.
So soll es ja auch sein.
Ein Zugeständnis von dir? Das hätte ich nicht gedacht. Ich freue mich und bin angenehm überrascht. Fühle mich frei und gar nicht von dir beherrscht. Fühle wie ich mich entfalten und mich fallen lassen kann ohne Angst vor dir zu haben.
So soll es ja auch sein.
Ja ich habe keine Angst vor dir. Ich bin ein freier Mensch, der den Sonnenschein genießen kann ohne daran zu denken, dass du eigentlich bestimmst was für mich Sonne ist und was nicht.
So soll es ja auch sein.
Genau. Jeden Schritt den ich tue, tue ich für mich ohne auch nur daran zu denken wie du diesen Schritt für mich getan hättest.
So soll es ja auch sein.
Jaha. Ich bin ein freier Mensch. Ich merke dich nicht.
So soll es ja auch sein.
Doch warte. Bestärkst du mich etwa? Lässt du deine Zügel locker um mir das Gefühl zu geben frei von dir zu sein? Lässt du mich wie eine Marionette an den Seilen zu deiner Belustigung tanzen und manipulierst du mich ganz fein und sacht von der langen Leine aus?
Ich spüre dich. Das habe ich dir schon mal gesagt. Und doch ist es gelogen. Ich kann dich nicht fühlen. Wo bist du? Du hast dich vor mir versteckt. Du willst, dass ich mich nach dir sehne und dass ich gar nicht anders kann als an dich zu denken.
So soll es ja auch sein
Ich hab dich. Nun halte ich dich fest. Halte mich fest an dir. Lasse dich nicht los. Will nicht wie dieses Hündchen sein, dass beim klingeln einer Glocke anfängt zu sabbern. Nein. Dazu bekommst du mich nicht. Vor allem wenn auch deine Abwesenheit diesen Effekt auslösen kann.
Dann denke ich nur noch an dich. Das hast du davon. Ich schlage dir ein Schnippchen. Ich trickse dich aus. Pausenlos wirst du im Scheinwerferlicht stehen meines Geistes. Spürst den Fokus meines Ichs auf dich gerichtet. Wie bei einem Verhör. Nur Dunkelheit und in der Sonne stehst du. Du kleiner Gedanke. Visiere dich solang an bis du das Zentrum meines Universums bist. Alles an das ich denke bist du. Immer und ewig.
So soll es ja auch sein.